Schach bei geistiger Behinderung und Autismus: Tatsächlich ein geeignetes Spiel?

Für manche Menschen mit geistiger Behinderung, Autismus oder Alzheimer-Krankheit kann Schach passen, sofern man es anpasst: Regeln Stück für Stück erklären, kurze Einheiten abhalten und mit wenigen Figuren spielen. Eine therapeutische Wirkung wird nicht versprochen. Diese Seite liefert praktische Anhaltspunkte, aber keine medizinische Einschätzung.

Behutsamkeit hat Vorrang

Die Bezeichnungen „geistige Behinderung“, „psychische Behinderung“, „Autismus-Spektrum-Störung“ und „Alzheimer-Krankheit“ stehen für sehr verschiedene Lebenslagen. Diese Website ist kein medizinischer Ratgeber. Studien zu diesem Thema werden hier nicht angeführt, weil wir keine ausreichend verlässliche Quelle gefunden haben, auf die sich ein Versprechen stützen ließe. Die Tipps zur Spielanpassung beruhen auf gesundem Menschenverstand und auf Erfahrungen aus der Betreuung. Sie ersetzen nicht die Einschätzung der Fachleute, die den Menschen begleiten.

Weshalb Schach passen kann

  • Die Regeln sind festgelegt, eindeutig und frei von Zufall: Was erlaubt ist, bleibt stets gleich.
  • Gespielt wird zu zweit, und es besteht keine Pflicht, viel zu reden.
  • Man kann die Form vereinfachen, etwa mit einem Bauernspiel, einer Partie nur mit König und Turm oder einem Springerspiel.
  • Ein Mindestalter oder ein bestimmtes Könnensniveau sind nicht vorgeschrieben.

Den Unterricht an individuelle Bedürfnisse ausrichten

  1. Eine Figur nach der anderen. Man beginnt mit dem Turm oder dem Springer auf einem nahezu leeren Brett.
  2. Knappe Anleitungen mit Bildern. Illustrierte Karten zeigen, welchen Weg jede Figur nehmen darf.
  3. Einheiten von 15 bis 20 Minuten. Man hört auf, bevor die Ermüdung einsetzt.
  4. Den Einsatz würdigen. Im Vordergrund stehen Freude und Gemeinschaft, nicht der Sieg.
  5. Ein Ritual pflegen. Derselbe Ort, derselbe Tisch und dieselben Figuren schaffen Sicherheit.

Geistige Beeinträchtigung und Gesellschaftsspiele: wichtige Begriffe im Überblick

In medizinisch-sozialen Einrichtungen begegnet man Kürzeln, die auch in Unterlagen zu Spielangeboten auftauchen: IME (medizinisch-pädagogisches Institut), FAM (betreutes Wohnheim mit medizinischer Begleitung), MAS (spezialisiertes Wohnheim) und ESAT. Dort können Betreuende Schach ebenso anbieten wie andere Gesellschaftsspiele. Wer etwas Einfacheres als Schach sucht, findet auf der Seite Spiele für Sehbehinderte visuell gut zugängliche Spiele wie Domino und Karten.

Alzheimer-Krankheit: spielen, ohne Versprechen abzugeben

Bei älteren Menschen mit einer neurodegenerativen Erkrankung steht beim Spiel vor allem das gemeinsame Erleben im Vordergrund. Die Erinnerung an den Ablauf, also daran, wie sich eine Figur bewegt, kann länger erhalten bleiben als andere Gedächtnisfunktionen. Daraus lässt sich jedoch keine feste Regel ableiten. Die Anhaltspunkte entsprechen denen bei eingeschränkter Sehkraft: wenige Figuren, große Elemente, keine Stoppuhr und eine ruhige Umgebung. Ergänzend empfehlen wir die Seite AMD und Senioren.

Was Schach nicht leisten kann

Schach ersetzt keine Therapie. Das Palais des Échecs (Frankreich) beschreibt in allgemeiner Form die Vorteile des Schachs für die Konzentration, die sich an die breite Öffentlichkeit richten; solche allgemeinen Vorteile belegen jedoch keine Wirkung bei einer bestimmten Behinderung. Wenn Sie unsicher sind, wenden Sie sich an die behandelnde Ärztin, den behandelnden Arzt oder an die zuständige Fachkraft.

Antworten auf häufige Fragen

Taugt Schach bei Alzheimer?

Keine der auf dieser Website angeführten Quellen belegt, dass Schach die Alzheimer-Krankheit heilen oder ihr vorbeugen kann. Trotzdem kann es, abgestimmt auf die jeweilige Person, einen Moment der Freude, des Miteinanders und der Konzentration schenken. Sprechen Sie dazu am besten mit dem Betreuungsteam.

Was versteht man unter einem autistischen Schachspieler?

Auf dieser Website wird keiner real existierenden Person eine Diagnose gestellt. Autismus zeigt sich in ganz unterschiedlichen Ausprägungen: Manche autistischen Menschen spielen gern Schach, andere haben kein Interesse daran, genau wie in der übrigen Bevölkerung.

Auf welche Weise kann man Schach für Menschen mit geistiger Behinderung anpassen?

Man führt die Figuren schrittweise ein, beginnt mit einer kleinen Auswahl an Steinen, gibt knappe Anweisungen mit Bildunterstützung, hält die Spieldauer kurz und lobt vor allem das Mitmachen statt des Ausgangs der Partie.