Braille-Schach mit taktilem Brett: die Funktionsweise im Detail

Ein taktiles Brett macht Schach ohne Augenlicht möglich: Die dunklen Felder sind leicht erhöht, jedes Feld besitzt eine Bohrung, in die ein Zapfen der Figur greift. Mit „Braille-Schach“ meint man dieses Material ebenso wie die Mitschrift der Züge in Blindenschrift. Die FIDE-Regeln schreiben eine Mindestkantenlänge von 20 cm × 20 cm vor und legen fest, wie die schwarzen Figuren zu kennzeichnen sind.

Begriffserklärung: Braille-SchachGebräuchliche Bezeichnung für das an blinde Spielende angepasste Material (taktiles Brett und durch Tasten erkennbare Figuren) sowie für die Notation der Züge in Blindenschrift, einem im 19. Jahrhundert von Louis Braille erfundenen Erhabenpunkt-System.

Das taktile Brett: die wesentlichen Eigenschaften

Ein einheitliches taktiles Brett gibt es nicht, doch der Anhang der FIDE (Abschnitt E.02 des Handbuchs, „Handicapped Players“) umreißt ein verbindliches Lastenheft, dem sich das Turniermaterial für blinde Spielende anpassen sollte:

  • ein Brett mit mindestens 20 cm × 20 cm;
  • schwarze Felder, die leicht erhöht sind;
  • eine Haltebohrung in jedem Feld;
  • Figuren im Staunton-Design, jede mit einem Zapfen, der zur Bohrung passt;
  • eine eigene Kennzeichnung der schwarzen Figuren.

Diese Bauweise beseitigt ein naheliegendes Problem: Tastet man die Stellung mit den Fingern ab, kann man leicht Figuren umstoßen. Der Zapfen verhindert genau das. Das Relief der Felder dient zugleich als Wegweiser, denn wer die Reihen mit der Hand abfährt, erkennt sofort, wo er steht.

Schéma d’un échiquier tactile Vue en coupe simplifiée : les cases sombres sont légèrement surélevées par rapport aux cases claires. Une pièce, représentée par un cylindre surmonté d’un disque, est enfichée dans un trou central par un petit tenon. pièce à tenon case sombre surélevée
Vereinfachte Skizze: Das dunkle Feld liegt erhöht, die Figur sitzt mit ihrem Zapfen in der Bohrung und bleibt beim Berühren an ihrem Platz.

Taktil, magnetisch oder herkömmlich: ein Vergleich

Drei Brettarten je nach Einsatzzweck (redaktionelle Übersicht auf Grundlage der FIDE-Regeln und gängiger Praxis)
MerkmalTastbar dank SteckstiftenMagnetischHerkömmlich
Erkennbar durch TastenJa: erhöhte Felder, gekennzeichnete FigurenNein, außer bei eigens dafür entwickelten ModellenNein
Halt der FigurenHervorragend geeignet: Die Stifte geben den Figuren festen HaltGut: ein Magnet hält die FigurGering
TransportAbhängig vom ModellHandlich für unterwegsVerschieden ausgeführt
Einsatz im Turnier für blinde SpielendeIm Regelwerk der FIDE berücksichtigtNur, wenn es das Lastenheft erfülltFür die sehende Gegnerin bzw. den sehenden Gegner geeignet

Die Notation in Blindenschrift, kurz erklärt

Blindenschrift ist ein Code aus sechs erhabenen Punkten. Louis Braille (1809–1852), der selbst in der Kindheit erblindete, entwickelte ihn ab 1824 und machte ihn 1829 öffentlich. Blinde Spielende halten ihre Züge mit einer Maschine oder einer Schreibtafel fest oder, laut FIDE-Reglement, handschriftlich bzw. mit einem Aufnahmegerät. Diese Aufzeichnung dokumentiert die Partie, damit sie geleitet oder später nachgespielt werden kann; das Brett ersetzt sie nicht. Die allgemeinen Notationsregeln behandeln wir hier nicht ausführlich, da dieser Ratgeber den Schwerpunkt auf Barrierefreiheit legt.

So werden die Züge angesagt

Die FIDE-Regeln sehen vor, dass die blinde Person ihren Zug klar und deutlich nennt, die Gegnerin bzw. der Gegner ihn zur Bestätigung wiederholt und danach der Zug auf dem jeweiligen Brett ausgeführt wird. Empfohlen wird ein festes Ansagevokabular: Die Spalten tragen Vornamen (Anna, Bella, Cesar, David, Eva, Felix, Gustav, Hector), damit sich beim Zuhören nichts verwechseln lässt, die Reihen werden mit Ziffern benannt. In der Praxis verständigen sich die Spielenden vor der Partie auf einfache Ansagen.

Welche Feldgröße passt am besten?

Für blinde Menschen zählt das Relief mehr als die Größe. Die von der FIDE vorgegebene Mindestkantenlänge von 20 cm führt zu Feldern von mindestens 2,5 cm; größere Felder geben den Fingern mehr Raum. Sehbehinderten Spielenden helfen eher große Felder und hohe Figuren; das Portal Le Palais des Échecs (Frankreich) hat dazu einen ausführlichen Beitrag über die empfohlene Feldgröße und Königshöhe veröffentlicht, der bei der Beurteilung der Maße für bequemes Spielen weiterhilft.

Wo gibt es passendes Material?

Turniertaugliches taktiles Material wird oft direkt über Organisationen blinder Spielender vertrieben. Die Braille Chess Association aus dem Vereinigten Königreich nennt sich auf ihrer Website eine nationale Vereinigung sehbehinderter Spielender; fragen Sie direkt dort nach oder bei den Organisationen, die auf der Seite IBCA, BCA, USBCA vorgestellt werden. Achten Sie beim Kauf immer darauf, ob Zapfen, Relief und Kennzeichnung der schwarzen Figuren vorhanden sind, und verlassen Sie sich nicht allein auf die Bezeichnung „taktil“. Zur Ergänzung der Ausstattung passt auch die sprechende Schachuhr.

Häufige Fragen

Woran erkennt man die schwarzen Figuren auf einem taktilen Brett?

Im Anhang der FIDE-Regeln, der sich an Spielerinnen und Spieler mit Behinderung richtet, ist festgehalten, dass die Figuren dem Staunton-Design folgen. Die schwarzen Steine erhalten zusätzlich ein eigenes Erkennungszeichen, das sich mit dem Fingerspitzen ertasten lässt. Außerdem liegen die dunklen Felder etwas höher, weshalb man auch die Feldfarben fühlen kann.

Ist ein Turnier mit taktilem Brett gegen einen sehenden Gegner möglich?

Durchaus. Laut Reglement der FIDE benutzt die blinde Person ein angepasstes Brett, während die sehende Person ein herkömmliches verwendet; beide vollziehen den Ablauf auf ihrem eigenen Brett mit. Die Züge werden hörbar angesagt, und die Partie folgt streng festgelegten Regeln für das Ertasten.

Wie halten blinde Spielende ihre Züge schriftlich fest?

Die FIDE-Regeln lassen eine Mitschrift in Blindenschrift zu, ebenso eine handschriftliche Notation in Schwarzschrift oder eine Aufzeichnung per Diktiergerät. Wird ein Zug falsch angesagt, ist er zu berichtigen, ehe die Uhr des Gegners läuft.