Taktiles Schachbrett und Braille-Schach: So funktioniert es
Ein taktiles Schachbrett ermöglicht das Spielen ohne Sehvermögen: Die dunklen Felder sind leicht erhöht, jedes Feld hat eine Bohrung, und die Figur wird dort mit einem Zapfen befestigt. Das „Braille-Schach“ bezeichnet dieses Material sowie die Notation der Züge in Braille; die FIDE-Regeln legen die Mindestgröße des Brettes (20 cm × 20 cm) und die Markierung der schwarzen Figuren fest.
Taktiles Schachbrett: die genauen Merkmale
Es gibt nicht das eine taktile Schachbrett, doch der Zusatz der FIDE (Abschnitt E.02 ihres Handbuchs, „Handicapped Players“) legt ein Pflichtenheft fest, das sich im Turniermaterial für blinde Spielerinnen und Spieler wiederfindet:
- ein Brett von mindestens 20 cm × 20 cm;
- leicht erhöhte schwarze Felder;
- eine Befestigungsbohrung in jedem Feld;
- Figuren im Staunton-Stil, jede mit einem Zapfen, der in die Bohrung passt;
- eine besondere Markierung der schwarzen Figuren.
Diese Konstruktion löst ein einfaches Problem: Beim Ertasten der Stellung mit den Fingern besteht die Gefahr, Figuren umzustoßen. Der Zapfen verhindert das. Das Relief der Felder dient als Orientierung: Wer mit der Hand die Reihen abfährt, weiß, auf welchem Feld er sich befindet.
Taktil, magnetisch oder Standard: der Vergleich
| Kriterium | Taktil mit Zapfen | Magnetisch | Standard |
|---|---|---|---|
| Erkennbarkeit durch Tasten | Ja: erhöhte Felder, markierte Figuren | Nein, außer bei eigens dafür konzipierten Modellen | Nein |
| Standfestigkeit der Figuren | Sehr gut: der Zapfen hält die Figur fest | Gut: der Magnet hält die Figur | Gering |
| Transport | Je nach Modell | Praktisch auf Reisen | Unterschiedlich |
| Verwendung im Turnier für blinde Spielerinnen und Spieler | Von den FIDE-Regeln vorgesehen | Nur, wenn es das Pflichtenheft erfüllt | Für die sehende Gegnerin bzw. den sehenden Gegner |
Die Notation in Braille, in einem Absatz
Braille ist ein Code aus sechs erhabenen Punkten. Louis Braille (1809–1852), der in der Kindheit erblindete, entwickelte ihn ab 1824 und veröffentlichte ihn 1829. Blinde Spielerinnen und Spieler notieren die Züge in Braille mit einer Maschine oder einer Schreibtafel oder, nach dem Reglement der FIDE, von Hand oder mit einem Aufnahmegerät. Diese Notation hält die Züge fest, damit eine Partie geleitet oder später nachgespielt werden kann; sie ersetzt das Brett nicht. Die allgemeinen Notationsregeln werden hier nicht im Einzelnen dargestellt, da sich diese Seite auf die Barrierefreiheit konzentriert.
Wie die Züge angesagt werden
Die Regeln der FIDE legen fest, dass die blinde Spielerin bzw. der blinde Spieler ihren bzw. seinen Zug deutlich ansagt, die Gegnerin bzw. der Gegner ihn wiederholt und der Zug anschließend auf dem jeweiligen Brett ausgeführt wird. Sie schlagen ein Ansagevokabular vor: Die Spalten werden mit Vornamen benannt (Anna, Bella, Cesar, David, Eva, Felix, Gustav, Hector), damit es beim Hören zu keinen Verwechslungen kommt, und die Reihen mit Ziffern. In der Praxis vereinbaren die Spielenden vor der Partie einfache Ansagen.
Welche Feldgröße soll man wählen?
Für eine blinde Person ist die Feldgröße weniger wichtig als das Relief. Die von der FIDE festgelegte Mindestseitenlänge von 20 cm ergibt Felder von mindestens 2,5 cm, und größere Felder bieten den Fingern mehr Platz. Für sehbehinderte Spielende empfiehlt sich eher ein großes Feld und hohe Figuren; das Palais des Échecs veröffentlicht einen ausführlichen Artikel über die empfohlene Feldgröße und Königshöhe, der bei der Beurteilung der Proportionen eines bequemen Spiels hilft.
Wo findet man geeignetes Material?
Das taktile Turniermaterial wird häufig von den Organisationen blinder Spielerinnen und Spieler selbst vertrieben. Die Braille Chess Association im Vereinigten Königreich gibt auf ihrer Website an, eine nationale Vereinigung sehbehinderter Spielerinnen und Spieler zu sein; erkundigen Sie sich direkt bei ihr oder bei den Organisationen, die auf der Seite IBCA, BCA, USBCA vorgestellt werden. Prüfen Sie vor dem Kauf stets das Vorhandensein der Zapfen, des Reliefs und der Markierung der schwarzen Figuren, statt sich allein auf das Wort „taktil“ zu verlassen. Zur Ergänzung der Ausstattung siehe die sprechende Schachuhr.
Häufig gestellte Fragen
Wie erkennt man die schwarzen Figuren auf einem taktilen Schachbrett?
Laut dem Zusatz zu den FIDE-Regeln für Spielerinnen und Spieler mit Behinderung haben die Figuren den Staunton-Stil, und die schwarzen Figuren tragen eine besondere Markierung, die der Finger ertastet. Die schwarzen Felder sind leicht erhöht, sodass sich auch die Feldfarben ertasten lassen.
Kann man mit einem taktilen Schachbrett bei einem Turnier gegen eine sehende Person spielen?
Ja. Das Reglement der FIDE sieht vor, dass die blinde Spielerin bzw. der blinde Spieler ein angepasstes Brett benutzt und die sehende Gegnerin bzw. der sehende Gegner ein gewöhnliches Brett, wobei beide die Züge auf ihrem Brett nachvollziehen. Die Züge werden laut angesagt, und die Partie wird nach genau festgelegten Tastregeln geleitet.
Wie notiert eine blinde Spielerin bzw. ein blinder Spieler die Züge?
Das Reglement der FIDE erlaubt die Notation in Braille, von Hand (in Schwarzschrift) oder mit einem Aufnahmegerät. Ein falsch angesagter Zug muss korrigiert werden, bevor die Uhr des Gegners gestartet wird.