Sprechende Schachuhr für Turniere: Partien spielen, ohne aufs Zifferblatt zu schauen
Eine angepasste Schachuhr macht die restliche Zeit auch ohne Blick aufs Zifferblatt zugänglich, entweder durch Ertasten (verstärkte Zeiger, erhabene Markierungen, spürbare Fallanzeige) oder durch Hören (Sprachansagen). Das FIDE-Reglement gestattet für blinde Spielende eine Spezialuhr und beschreibt deren taktile Kennzeichnungen.
Zwei Gattungen angepasster Schachuhren
Im Alltag redet man oft von einer „sprechenden Uhr“, das FIDE-Reglement beschreibt jedoch zuerst eine taktile Uhr. Beide Ansätze existieren nebeneinander und lassen sich gut kombinieren.
Die Tastuhr mit Zeigern
Nach dem FIDE-Zusatzdokument für behinderte Spielende besitzt die für blinde Teilnehmende zugelassene Uhr:
- verstärkte Zeiger, die sich unter dem Finger nicht verbiegen;
- auf dem Zifferblatt einen erhabenen Punkt je fünf Minuten und zwei eng beieinanderliegende Punkte je fünfzehn Minuten;
- eine gut ertastbare Fallanzeige, die so angebracht ist, dass die spielende Person in den letzten fünf Minuten der Stunde den Minutenzeiger berühren kann.
Die spielende Person streicht mit dem Finger über das Zifferblatt, findet den Zeiger und liest die Zeit ab, ohne ihn zu beschädigen. Fällt beim Ablauf der Zeit die Anzeige herunter, lässt sich auch das ertasten.
Die Digitaluhr mit Sprachausgabe
Einige digitale Uhren geben akustische Signale oder die verbleibende Zeit gesprochen wieder. Je nach Modell unterscheiden sich die Merkmale deutlich (Stimme der Ansage, Häufigkeit, Anschluss eines Kopfhörers). Prüfen Sie deshalb das Datenblatt, statt anzunehmen, dass eine gewöhnliche Digitaluhr „spricht“. Bei offiziellen Wettkämpfen legt die Turnierordnung fest, was erlaubt ist: Erkundigen Sie sich beim Schiedsrichter oder beim Veranstalter, etwa beim Österreichischen Schachbund (ÖSB) in Wien.
Was die spielende Person selbstständig beherrschen sollte
- Die Uhr durch Drücken des Knopfes auf der eigenen Seite starten (am besten ein großer Knopf).
- Die verbleibende Zeit jederzeit kennen, sei es durch Ertasten oder über das Gehör.
- Erkennen, ob die eigene Fallanzeige ausgelöst wurde.
- Die Bedenkzeit und das Inkrement einstellen können oder wissen, dass eine dritte Person dies vor der Partie übernommen hat.
Wichtige Spielregeln
Das FIDE-Reglement bestimmt, dass die Uhr des Gegners erst dann weiterläuft, wenn der Zug vollständig ausgeführt ist: Die Figur der blinden Spielerin bzw. des blinden Spielers steht auf dem neuen Feld, eine geschlagene Figur ist vom Brett entfernt, und der Zug ist angesagt. So verliert niemand Zeit, während der Gegner das Brett abtastet. Außerdem veröffentlicht die FIDE Empfehlungen („Guidelines on treatment of disabled chess players“), die vorschlagen, blinde Spielende in den letzten fünf Minuten von der Notation ihrer Züge zu befreien, weil der sehende Gegner sehr rasch antworten kann.
Eine Uhr auswählen: praktische Tipps
Bevor Sie Modelle vergleichen, klären Sie, ob die Uhr im Turnier oder nur zu Hause mit vertrauten Personen zum Einsatz kommt. Für den Hausgebrauch reicht häufig eine Uhr mit großen Tasten und hohem Kontrast; der Ratgeber von Le Palais des Échecs zur Wahl einer digitalen Schachuhr erläutert die allgemeinen Kriterien (Bedenkzeiten, Inkrement, Lesbarkeit). Zum Erlernen der Bedienung dient außerdem die Anleitung zum Einstellen und Verwenden der Uhr. Diese französischsprachigen Seiten behandeln keine sprechende Uhr; sie bieten lediglich eine allgemeine Grundlage.
Checkliste vor dem Kauf
- Sind die Tasten groß, mit dem Finger leicht zu finden und entweder lautlos oder deutlich hörbar?
- Wird die verbleibende Zeit angesagt oder ist sie erhaben lesbar?
- Ist die Fallanzeige tastbar?
- Lässt sich die Grundeinstellung ohne Sehvermögen vornehmen oder kann eine Begleitperson sie übernehmen?
- Ist das Modell in den Turnieren zugelassen, die Sie anstreben? Als Leser in Österreich können Sie das beim Österreichischen Schachbund (ÖSB) in Wien erfragen.
Zum Schachbrett, das die Uhr ergänzt, lesen Sie die Seite zum taktilen Schachbrett und zur Notation in Brailleschrift.
Häufig gestellte Fragen
Wie funktioniert eine sprechende Schachuhr?
Gemeint ist eine Uhr, die die restliche Bedenkzeit per Lautsprecher oder Kopfhörer hörbar macht und sich ohne Unterstützung durch Dritte einstellen lässt. Dieser Typ weicht von der im FIDE-Reglement beschriebenen Tastuhr mit Zeigern ab.
Welche Vorgaben macht die FIDE für Uhren blinder Spielerinnen und Spieler?
Zulässig ist eine Spezialuhr mit verstärkten Zeigern, einem erhabenen Punkt je fünf Minuten sowie zwei erhabenen Punkten je fünfzehn Minuten. Hinzu kommt eine gut ertastbare Fallanzeige, die so montiert ist, dass die spielende Person in den letzten fünf Minuten der Stunde den Minutenzeiger berühren kann.
Sind blinde Spielende verpflichtet, die Züge zum Partieende mitzuschreiben?
Laut den FIDE-Empfehlungen zum Umgang mit behinderten Schachspielenden dürfen Turnierregeln blinde Teilnehmende in den letzten fünf Minuten vom Notieren der Züge entbinden. Ob der Veranstalter dies in seiner Turnierordnung vorsieht, entscheidet er selbst.