Blindschach lernen: Vorgehen, Bestleistungen und die großen Wegbereiter

Bei einer Blindpartie sieht der Spieler das Brett nicht: Er nennt seine Züge und speichert die komplette Stellung im Gedächtnis. Den von Guinness anerkannten Bestwert halten 48 Simultanpartien, die Timur Gareyev im Dezember 2016 in Las Vegas absolvierte. Diese Spielweise sehender Menschen sollte man nicht mit Schach für blinde Menschen gleichsetzen.

Begriffserklärung: BlindpartiePartie, die ohne Sicht auf das Brett geführt wird, wobei die Züge laut angesagt werden. Sie wird von sehenden Menschen gespielt und sollte nicht mit Schach für blinde Menschen verwechselt werden, das auf einem Tastbrett stattfindet.

Blind oder blind: die Abgrenzung

Im Französischen sorgt der Ausdruck „jouer aux échecs à l’aveugle“ für Verwechslungen. Gemeint ist eine Übung für Gedächtnis und Vorstellungskraft, die häufig als Schauspiel oder Vorführung dient: Ein Spieler messt sich mit einem oder mehreren Gegnern, ohne je ein Brett anzusehen. Blinde Spielerinnen und Spieler brauchen dagegen angepasstes Material; mehr dazu auf der Seite zum Tastbrett sowie auf der Seite über bekannte blinde Schachspieler.

Bestleistungen bei Blindsimultanpartien

Aufeinanderfolgende Bestleistungen bei Blindsimultanpartien (Quellen: Guinness World Records, FIDE, Fachpresse)
SpielerJahrPartienSchauplatz und Eckdaten
George Koltanowski193734Edinburgh; zunächst europäischer, dann Weltrekord vor Najdorf
Miguel Najdorf194745São Paulo; laut Guinness: 39 Siege, 4 Remis, 2 Niederlagen, in gut 23 Stunden
Marc Lang20114626. bis 27. November 2011
Timur Gareyev201648Las Vegas (Universität von Nevada), 3. bis 4. Dezember; 35 Siege, 7 Remis, 6 Niederlagen; 19 Std. 9 Min.

Najdorfs Bestwert hatte vierundsechzig Jahre Bestand, bis Marc Lang ihn übertraf. Timur Gareyev, laut Guinness usbekischer Staatsbürger, spielte auf einem Heimtrainer. Sein Versuch war zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht offiziell; später erkannte Guinness ihn an. Die FIDE berichtete am 24. März 2017 darüber. Die genauen Angaben zu Najdorfs Leistung weichen je nach Quelle voneinander ab (Januar 1947).

Das Vorgehen: So wird geübt

  1. Koordinaten verinnerlichen. Ohne Überlegung wissen, dass a1 ein dunkles Feld ist und e4 mitten im Zentrum liegt.
  2. Laufwege vorstellen. Den Weg eines Springers oder Läufers gedanklich über das Brett verfolgen.
  3. Partien nachvollziehen. Bekannte Partien anhand ihrer Notation ohne Brett durchspielen.
  4. Ganze Partien angehen gegen eine Person, die das Brett sieht und Ihre Züge mitspricht.
  5. Muster erkennen. Bauernketten, offene Linien und taktische Motive wahrnehmen, statt Figur für Figur auswendig zu lernen.

Dieses Training bleibt nicht den Spitzenspielern vorbehalten: Es schult Konzentration und Arbeitsgedächtnis. Le Palais des Échecs erläutert, weshalb sich das Gedächtnis durch Schach trainieren lässt, was ein weitverbreiteter Vorteil des Spiels ist.

Weshalb dies nicht nur Sehenden vorbehalten ist

Auch blinde Spielerinnen und Spieler arbeiten mit innerer Vorstellung: Wer das Tastbrett mit den Fingern abtastet, baut die Stellung im Kopf neu auf. Der Unterschied liegt im Umgang mit dem Material, nicht in der Denkweise. Blinde Spieler auf sehr hohem Niveau, etwa Teilnehmende an IBCA-Wettbewerben, können ebenfalls ohne Berührung des Bretts spielen.

Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert Schach ohne Sicht?

Man nennt die Züge in algebraischer Notation und hält die Stellung im Gedächtnis fest. Beim Üben lernt man zunächst die Koordinaten aller Felder, spielt kurze Partien im Kopf durch und steigert sich dann zu ganzen Partien – gegenüber einer Person, die das Brett offen vor sich hat.

Welche Bestleistung gibt es bei Blindpartien?

Guinness World Records zufolge trat Timur Gareyev am 3. und 4. Dezember 2016 an der University of Nevada in Las Vegas gleichzeitig gegen 48 Gegner an, ohne Sicht aufs Brett: 35 Siege, 7 Remis und 6 Niederlagen, verteilt auf 19 Stunden und 9 Minuten.

Handelt es sich dabei um dasselbe wie Schach als blinder Mensch?

Nicht ganz. Wer blind spielt, hat normales Sehvermögen und verzichtet bewusst darauf, das Brett anzusehen. Ein blinder Spieler hingegen verfügt über kein Augenlicht und nutzt ein Tastbrett. Gemeinsam ist beiden Varianten, dass sie sich auf das Gedächtnis für die Stellung stützen.